Bulldog
Der Bulldog ist eine britische
Hunderasse von aussergewöhnlichem Aussehen, Charakter und Charme. (s.
Standard) Der Bulldog heißt offiziell nur "Bulldog". Aber
er wird auch Englische Bulldogge, English Bulldog, Britisch Bulldog genannt.
Aber wie bei so manch anderer Rasse auch, haben Bulldogs gesundheitlich
unter übertriebenen Ambitionen und mangelnder gesundheitlicher
Fürsorge mancher Züchter und Zuchtverbände zu leiden.
Dabei hat er sich bis heute einen einzigartigen liebenswerten Charme
und bewundernswerten Charakter erhalten.
Der Bulldog ist ein
ruhiger, zurückhaltender, aber durchaus (breiten) -sportlicher und
spielerischer Hund, der an der Leine ziehen kann wie eine Dampfmaschine. Er
besticht durch seinen unkomplizierten, freundlichen (meistens ;) und festen
Charakter. Der Bulldog ist sehr intelligent, lernwillig (wenn er will) und
traut sich (fast) alles zu. 
Die uralte
Geschichte des Bulldogs war sehr wechselhaft.
Er stammt von den
Molossern ab, die es bereits seit Jahrtausenden gibt. Er wurde schon im
Mittelalter auf den Britischen Inseln zum Hüten und Treiben von
Rinderherden eingesetzt (daher der Name). Er war Beschützer der
Händler, denen er auch mal einen Karren zog. Der Adel verwendete ihn zur
Hatz auf besonders wehrhaftes Wild. Außerdem war er ein guter
Wächter auf den größeren Höfen, Schiffen und
Werkstätten.
"Zwei gute Bulldogs frei im Hofe, sagt der Farmer,
bessern die Ehrlichkeit mehr, als des Pastors Predigt." (Aga Gräfin
vom Hagen, 1935)
Der Bulldog als Hundetyp ist bereits bei den
Römern als britische Exportware beschrieben. Von Hunden mit der
Kampfesweise der Bulldogs wird bereits aus dem Colosseum in Rom vor 2.000
Jahren berichtet. Die Bezeichnung "Bulldog" ist zum ersten Mal aus dem Jahr
1601 durch den Dichter Ben Johnson überliefert.
Seit dem frühen Mittelalter wurde er auch beim
Bull-Baiting, den berüchtigten Stierkämpfen und weiteren
Tierkämpfen in den Arenen und Pits der britischen Inseln
eingesetzt. Hier zeichnete er sich durch besondere Unerschrockenheit aus, die
aber zugleich einen starken Willen und ebenso starke Kontrollierbarkeit durch
den Halter bedingte. In der Arena musste er ein furchtloser, unnachgiebiger
Kämpfer sein, außerhalb lammfromm und menschenfreundlich. Sein Mut
und seine Kampfkraft waren über Jahrhunderte hinweg legendär, ja sie
wurden sprichwörtlich. Die Begründerin des Britischen Empire, Queen
Elisabeth, war eine große Bewunderin der Bulldogs, deren Kämpfe sie
regelmäßig besuchte. Die Zucht eines Siegers der Arenen war damals
rein wirtschaftlich vergleichbar mit dem Erfolg eines Formel-1-Weltmeisters
oder Fußball-Stars heute. Der damalige Bulldog war aber mit dem heutigen
nur begrenzt vergleichbar.
Erst nach dem entgültigen Verbot der
Hundekämpfe 1835 wurde der Bulldog zum heutigen Begleithund
entwickelt. Er ist der erste Hund, der vom Arbeits- zum Begleithund umgewidmet
wurde. Er ist der erste Hund, der zu diesem Zweck im großen Stil von
Anfang an, etwa seit 1830, kommerziell gezüchtet wird. Hier rechts unten
eine Abbildung einer solchen kommerziellen Zuchtanlage in London aus dem Jahr
1846.
Bereits im November 1864 wurde von Rechtsanwalt Mr.
Wickens und dem Direktor der Bank of England Mr. Brent der Bulldog-Club in
London gegründet. Es war der erste Club um eine Hunderasse
weltweit. Im Februar 1865 wurde der erste Standard, der Philo Kuon
Standard, veröffentlicht. Man kann diese beiden Daten auch als Beginn der
modernen Rassehundezucht überhaupt bezeichnen.
Etwa seit dieser Zeit wurde er mit dem
heutigen Bulldog vergleichbar. Es zeigten sich sehr schnell die für Wesen
und Gesundheit schädlichen Folgen einer kommerziellen Zucht lediglich als
Begleiter. Etliche Naturforscher seiner Zeit weisen bereits auf die
schädlichen Auswirkungen der Inzucht hin. Kein Geringerer als
Charles Darwin geht immer wieder auf den Bulldog ein, zum einen als
Beispiel für die Veränderbarkeit der Arten, zum anderen als Mahner
für das Beachten der Gesundheit in der Zucht.
Am 13. April
1875 wurde der "The Bulldog Club" gegründet, der noch heute
existiert. Ebenso 1875 wurde zum ersten Mal "The Standard of the Bulldog"
verbindlich festgelegt. Er entspricht bereits im wesentlichen dem heute noch
gültigen. In der Folge erlebte die Zucht des Bulldogs einen beispiellosen
wirtschaflichen Aufschwung, der bald den Kontinent und namentlich auch
Deutschland erfassen sollte. Bulldogs wurden in Preiskategorien von Rennpferden
gehandelt. Super Champion Rodney Stone wechselte 1901 schließlich
für 1.000 Pfund Sterling den Besitzer. Nach der offiziellen
Umrechnungstabelle des House of Commons entspricht das einer heutigen Kaufkraft
von nicht weniger 117.592 Euro.
In der 2. Hälfte des letzten
Jahrhunderts, besonders seit etwa 1975, verschärfte sich schließlich
das Problem der Übertypisierung, der Extremzuchten bis hin zu
Qualzucht und die damit verbundenen existenziellen gesundheitlichen
Probleme beim Bulldog. Je mehr Umwelt- und Tierschutz in der Gesellschaft
Einzug fanden, umso schlimmer trieb und treibt die Masse der Bulldog-Zucht ihr
tierquälerisches Werk.
Der
Englische Bulldog ist ein Hund für seine Fans.
Frauchen und
Herrchen müssen zum Bulldog passen - nicht umgekehrt. Wer einen Hund
für Agility-Parcours oder täglich mehrstündige Sporteinheiten
sucht, passt nicht zu ihm. Der Bulldog kann zwar problemlos auch im Hotel
für ein paar Stunden allein gelassen werden, verlangt aber insgesamt doch
viel Aufmerksamkeit. Er will eine enge emotionale Bindung zu seiner Familie und
braucht in aller Regel auch viel Pflege und Fürsorglichkeit. Er bringt in
diese enge Beziehung aber auch sehr viel ein. Er versteht sich blind mit
Herrchen und Frauchen und hat dabei trotzdem seinen eigenen Willen. Man muss
seinen Bulldog als Freund betrachten; er ist kein Zirkushund, der gerne auf
Kommado horcht. Dafür darf man oft schmunzeln und lachen und sich
über seine hohe Intelligenz wundern. Im Allgemeinen strahlt der Bulldog
souveräne Gelassenheit aus - doch, er kann auch explosionsartig wie ein
Geschoss losgehen, etwa dann, wenn es darum geht, seine Familie zu verteidigen.
Der große Kynologe der Zeit um 1900 und Bulldog-Freund Richard Strebel
bringt es mit den drei Worten treffend auf den Punkt:
"Phlegma und
Leidenschaft".
Christoph Jung